Kreditkartengebühren

EU senkt Kreditkartengebühren - Steigt nun die Akzeptanz?

Juli 2015

Bei Zahlungen mit Kreditkarte fallen immer Kosten an. Für den Verbraucher in der Regel unbemerkt. Denn bei jeder Zahlung mit Girocard oder Kreditkarte, muss der Händler eine Gebühr an den Netzbetreiber und an die eigene Bank zahlen. Das macht das Zahlen mit dem Plastikgeld teurer, als wenn der Verbraucher Bargeld benutzt. Daher akzeptieren viele Läden auch gar keine Kreditkarten oder erst ab bestimmten Beträgen. Im Durchschnitt muss ein Händler bei einer Kreditkartenzahlung 1,6 Prozent des Umsatzes an Gebühren abführen.

Für einen Bäcker beispielsweise, bei dem häufig nur kleinere Einkäufe getätigt werden, wäre das ein klares Verlustgeschäft. Nur einige wenige Handelsbranchen konnten günstigere Konditionen mit den Kreditkartenanbietern verhandeln. So müssen Beispielsweise Tankstellen "nur" 0,68 Prozent an Gebühren abführen. Doch das ist immer noch mehr als doppelt so hoch, wie die Vorstellungen der EU.

Europäisches Parlament beschließt Obergrenze

Dem europäischen Parlament waren die hohen Interbankenentgelte schon lange ein Dorn im Auge. Sven Giegold, finanzpolitischer Sprecher der Grünen im Europaparlament sagte: "Bisher zahlten Einzelhändler in Europa 10 Milliarden Euro jährlich für Kartenzahlungen". Er führte weiter aus, dass durch eine Obergrenze der Gebühren, jährlich 6 Milliarden Euro gespart werden könnten.

Das europäische Parlament beschloss daher bereits im März dieses Jahres, die Gebühren im Interbankengeschäft bei Kreditkartenzahlungen zu deckeln. Bei Kreditkarten soll es ein Limit von 0,3 Prozent geben, bei Debitkarten - EC- oder Maestrokarten - eine Grenze von 0,2 Prozent. Diese neue Regelung tritt voraussichtlich ab September 2015 in Kraft. Die neuen Regelungen treffen jedoch nur die Gebühren im Interbankengeschäft. Kosten, die bei Abhebungen am Geldautomaten anfallen, sind davon nicht betroffen. Hier kann die jeweilige Bank auch weiterhin die Preise selbst bestimmen.

Werden Produkte nun billiger?

In erster Linie spart natürlich der Einzelhändler beziehungsweise Dienstleister, denn schließlich muss er weniger Gebühren abführen. Ob auch Verbraucher sparen werden, ist umstritten. Jonathan Hill, EU-Finanzmarktkommissar geht davon aus, wenn er sagt, dass sich die Obergrenze "für die Verbraucher in Preissenkungen niederschlagen" wird. In der Praxis wird das wahrscheinlich etwas anders aussehen. Außerhalb des europäischen Parlaments gehen Experten nicht davon aus, dass es flächendeckende Preissenkungen geben wird.

Steigt die Akzeptanz von Kreditkarten?

Es könnte natürlich sein, dass in Zukunft mehr Händler den Einsatz von Kreditkarten akzeptieren. So können beispielsweise Kunden bei Aldi, Lidl oder Kaufland zwar mit der so genannten EC-Karte zahlen, aber nicht mit Kreditkarte. Das lag bis jetzt an den hohen Gebühren für den Einzelhandel. Da die Kosten in Zukunft jedoch fast gleich sind, könnten Verbraucher davon profitieren, dass mehr Einzelhändler und Dienstleister Kreditkarten akzeptieren.

Die neue Gebührenregelung betrifft nur die beiden Kreditkartenunternehmen Visa und MasterCard. Der Marktanteil liegt zusammen bei 90 Prozent. Für American Express und Diners Club gilt das Gesetz nicht, da diese ihre Kreditkarten selbst herausgeben und keine Banken zwischenschalten. Auch Kreditkarten für Firmenkunden sind davon nicht betroffen. Ob also auch die Akzeptanz von American Express steigen wird, ist fraglich.

Könnten Verbraucher auch verlieren?

Ja, auch das ist möglich. Branchenexperten warnen davor, dass kostenlose Kreditkarten seltener werden. Da die Kreditkartenanbieter nun bedeutend weniger an Gebühren einnehmen, planen sie zum Ausgleich, die Jahresgebühren zu erhöhen. Es ist auch in Planung, die mit Kreditkarten verbundene Leistungen, wie Versicherungen, Bonusprogramme oder Flugmeilen zu reduzieren. Der EU-Abgeordnete Steven Woolfe kritisiert: "Einer zahlt immer und dieser eine ist immer der Verbraucher". MasterCard warnte vor diesem Schritt und zitierte eine Studie, nach der bei einem ähnlichen Schritt, die Jahresgebühren für Kreditkarten in Spanien innerhalb von 5 Jahren um circa 25 Prozent stiegen. Auch die deutsche Kreditwirtschaft erwartet keine Entlastung für die Verbraucher. Hubertus Poser, Experte bei der Unternehmensberatung PPI äußert sich ähnlich: "Rabatte und Gratisdienste von firmeneigenen Kreditkarten rechnen sich nur, wenn Unternehmen an den Gebühreneinnahmen der Banken beteiligt sind". Der Wegfall der Gebühreneinnahmen "spreche jedoch dafür, diese Kooperationen in Frage zu stellen".

Die EU hält dagegen, dass mit den hohen Gebühren Anreizprogramme subventioniert werden. Solche Geschenke sollte jedoch nicht die Allgemeinheit zahlen. Schließlich legen Händler die Gebühren auf ihre Preise um. Das bedeutet, dass quasi jeder die Kosten mitträgt, ob er nun gebührenfreie Zusatzleistungen einer Kreditkarte nutzt oder nicht. Das soll sich in Zukunft eben ändern.

Was ändert sich noch für Kreditkartenkunden?

Neben der Gebührenregelung, hat das europäische Parlament noch weitere Schritte beschlossen. So soll der Selbstbehalt bei Kreditkartenbetrug zukünftig nur noch bei 50 Euro, statt 150 Euro liegen. Einige Kreditkartenanbieter hatten allerdings den Betrag bereits gesenkt. Außerdem werden neue Zahlungsdienstleister wie das deutsche Bezahlportal "Sofort" in Zukunft beaufsichtigt. Fälschliche Zahlungen mit Bankeinzug sollen zudem einfacher und bedingungslos zurückgerufen werden können.
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