Kontaktlos bezahlen

Etwa vier Millionen Kreditkarten in Deutschland sind bereits mit einem Chip versehen, der das kontaktlose Bezahlen ermöglicht. Hierbei ist es nicht mehr nötig, die Kreditkarte in ein Lesegerät vor Ort zu stecken, sondern es ist ausreichend, diese nur wenige Zentimeter vor das Gerät zu halten. Der Datenaustausch erfolgt ganz einfach über ein Funksignal. Bei Beträgen von bis zu 25 Euro ist es oft nicht einmal mehr nötig, die Zahlung mittels Unterschrift zu autorisieren. Ist dieses Verfahren nun genial einfach oder birgt es auch Risiken? Wir gehen der Sache auf den Grund.

Die Near-Field-Kommunikation

Das kontaktlose Bezahlen funktioniert bei Kreditkarten mit der so genannten NFC-Technologie. Die Near-Field-Communication (auf Deutsch: Nahfeldkommunikation) bezeichnet einen Standard für die kabellose Datenübertragung über sehr kurze Distanzen. Beim kontaktlosen Bezahlen wurde diese Distanz auf nur vier Zentimeter begrenzt. Mit Hilfe des Funksignals können die Händler mit entsprechenden Terminals nun die Bank- und Kartendaten ihres Kunden auslesen und die Zahlung entsprechend abwickeln. Ob eine solche Zahlung möglich und ob die Kreditkarte entsprechend fähig ist, erkennt man an dem NFC-Logo, das sowohl auf der Kreditkarte wie auch auf den Terminals aufgedruckt ist. Es handelt sich dabei um vier leicht gebogene Linien und ähnelt dem W-LAN-Symbol.

So funktioniert das kontaktlose Bezahlen

Ist eine Karte vorhanden, mit der das kontaktlose Bezahlen möglich ist, muss nun nur noch ein Terminal gefunden werden, dass diese Zahlweise ebenfalls anbietet. Mittlerweile sind diese Systeme aber an zahlreichen Tankstellen, im Einzelhandel und sogar in Supermärkten vorhanden. Der zu zahlende Betrag wird nach dem Kassieren der Mitarbeiter auf dem Terminal angezeigt, ähnlich wie bei sonst üblichen Zahlvorgängen auch. Die Bankkarte muss nun nur noch mit einem Abstand von maximal vier Zentimetern an das Terminal gehalten werden. Ein optisches sowohl ein akustisches Signal bestätigen die erfolgreiche Übertragung der notwendigen Daten. Nun erscheint auf dem Display in der Regel die Information „Zahlung erfolgt“. Handelt es sich um Zahlungen, die weniger als 25 Euro betragen, ist vielfach auch keine Unterschrift nötig. Lediglich bei höheren Geldbeträgen fordern die Kassierer vor Ort eine Autorisierung und können dabei auch den Ausweis des Kartenbesitzers anfragen.

Das kontaktlose Bezahlen in der Übersicht:
– Terminal mit entsprechendem NFC-Logo suchen
– Zahlbetrag auf dem Display abwarten
– Karte vor das Terminal halten
– Optisches Signal zum Übertragen der Daten abwarten
– Kassenbeleg unterschreiben (ab Beträgen von 25 Euro)

Die Vorteile des kontaktlosen Bezahlens

Werden Zahlvorgänge kontaktlos abgewickelt, hat dies einige Vorteile. So muss die Karte nicht erst umständlich in das Gerät gesteckt werden, sondern die Daten stehen direkt via Funk zur Verfügung. Diese Zahlweise ist innovativ, denn sie nutzt die neueste Technologie, die derzeit genutzt werden kann. Welche Zahlungen getätigt werden, kann im Anschluss anhand der Kreditkartenabrechnung geprüft werden. Da viele Kartennutzer mittlerweile online unterwegs sind, können die Abrechnungsbeträge oft sogar binnen Minuten auf dem Smartphone überprüft werden. Zudem kann das kontaktlose Bezahlen in vielen Geschäften nicht nur für große, sondern auch für kleine Beträge genutzt werden. Schließlich wurden erst kürzlich die Kreditkartenkosten für Händler vor Ort verringert. Verbraucher sparen sich somit das Bar- und Kleingeld und können einfach und bequem bezahlen.

Die Risiken des kontaktlosen Bezahlens

Neben den zahlreichen Vorteilen, die das kontaktlose Bezahlen zweifelsfrei mit sich bringt, gibt es auch einige Risiken, die nicht unbeachtet bleiben dürfen. So war es in einem nicht repräsentativen Test beispielsweise möglich, die Kreditkartendaten von Passanten in der Fußgängerzone auszuspähen, etwa indem ein Lesegerät an die Gesäßtasche eines Mannes gehalten wurde, wo das Portemonnaie verstaut war. IT-Experten warnen daher, dass die Funksignale jederzeit zur Verfügung stehen und von Kriminellen auch entsprechend genutzt werden können. Sie spähen damit zwar weder die PIN-Nummer noch die dreistellige Sicherheitsnummer, die lediglich auf der Rückseite der Karte aufgedruckt ist, aus, können die Kreditkartennummer jedoch bei Zahlungen im Internet angeben. Dies ist jedoch nur dann möglich, wenn die Shops keine zusätzlichen Sicherheitsbestimmungen nutzen, wie eben die dreistellige Sicherheitsnummer. In größeren Onlineshops werden zudem weitere Sicherheitsmaßnahmen genutzt, etwa das System „Verified by VISA“ oder der „3D-Secure-Code“ von Mastercard. Zahlungen können in diesen Fällen nur mit einer zusätzlichen PIN oder dem Einloggen im Onlinebanking autorisiert werden.

Insgesamt gesehen sind die Risiken durch das kontaktlose Bezahlen im Einzelhandel also sehr gering. Verbraucher jedoch, die auf Sicherheit setzen und weitere Risiken vermeiden wollen, können bei ihrer Bank eine Kreditkarte ohne entsprechenden Chip anfordern. Auch spezielle Schutzhüllen sind bereits im Angebot, die die Funkwellen einfangen und verhindern, dass diese nach außen transportiert werden.

Diese Sicherheitsmaßnahmen können genutzt werden:
– Bestellung einer Kreditkarte ohne Funkchip
– Nutzung von speziellen Sicherheitshüllen
– Karten sollten zwischen anderen Karten gesteckt werden
– Zugang der Karte sollte nur dem Inhaber möglich sein
– Spezielle Kartenboxen schirmen die Funkwellen ab

Auch maestro-Karten werden umgerüstet

Die Technik des kontaktlosen Bezahlens wird in Deutschland zwar derzeit erst eingeführt, ist in vielen anderen Ländern aber bereits deutlich weiter verbreitet. In anderen europäischen Ländern wie England oder Italien nutzen die Menschen deutlich häufiger eine Kredit- oder maestro-Karte, sodass die Umrüstung im Handel hier schneller von statten geht. Doch auch in Deutschland wird die Bargeldabschaffung diskutiert, vor allem jüngere Menschen setzen zunehmend auf Plastikgeld. Da verwundert es nicht, dass langfristig neben den bereits umgestellten Kreditkarten auch die derzeit gut 45 Millionen Giro- und Maestro-Karten umgerüstet werden sollen. Auch sie verfügen dann über die NFC-Technologie, die das Bezahlen noch einfacher und schneller möglich macht. Noch jedoch können Bankkunden Karten ohne Funkchip bestellen und sich entsprechend registrieren lassen.