VISA versucht den Bargeldeinsatz in den USA zurückzudrängen

Visa versucht Bargeld zu verdrängen

Der Einsatz von Kreditkarten ist in den USA bereits weit verbreitet. Hierdurch reduziert sich der Bargeldgebrauch vor Ort enorm, denn sogar kleinere Zahlungen im Kiosk oder beim Bäcker können bequem mit der Karte getätigt werden. Um den Bargeldeinsatz noch weiter zu reduzieren und die Kreditkartenumsätze zu steigern, geht das Kreditkartenunternehmen VISA jetzt ganz neue Wege. Es belohnt Restaurants, wenn sie Bargeldzahlungen ablehnen. Das „Wall Street Journal“ berichtet von Zahlungen bis zu einer Summe von 10.000 US-Dollar. Für Deutschland sind diese Praktiken derzeit undenkbar.

Bargeld soll zurückgedrängt werden

Bargeld ist teuer, denn die Aufbereitung von Scheinen und Münzen kostet viel Geld. Hinzu kommt, dass Geschäfte abends die vereinnahmten Summen nicht nur zählen und auf Vollständigkeit kontrollieren müssen, sie müssen diese auch bei ihrer Bank einzahlen. Dies erfordert Personal, dass an anderer Stelle sicher lukrativer eingesetzt werden kann. Dies hat auch der Kreditkartenkonzern VISA erkannt und versucht nun, den Bargeldeinsatz in den USA zurückzudrängen. Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, sollen Restaurants bis zu 10.000 US-Dollar erhalten, wenn sie Bargeld ablehnen. VISA bietet an, im Gegenzug für Marketingkosten zu bezahlen oder aber die Umrüstung auf bargeldlose Zahlmethoden und Kreditkartenterminals zu übernehmen. Auch die Zahlung per Mobiltelefon soll noch weiter forciert werden.

Bargeld nach wie vor beliebteste Zahlmethode

Obwohl bereits viele Amerikaner Kreditkarten ihr Eigen nennen und diese auch häufig einsetzen, ist Bargeld auch in den USA nach wie vor beliebteste Zahlmethode. Laut aktuellen Erhebungen wurden im Jahr 2015 gut 32 Prozent aller Transaktionen mit Scheinen und Münzen durchgeführt. 27 Prozent der Zahlungen erfolgen mittels Debitkarten (vergleichbar mit den deutschen Maestro-Karten) und 21 Prozent der Zahlungen wurden mit Hilfe einer Kreditkarte getätigt. Betrachtet man sogar die weltweite Entwicklung, hat der Bargeldverbrauch sogar wieder zugelegt. Verglichen zum Jahr 2015 erhöht sich dieser um etwa zwei Prozent auf insgesamt 17 Billionen Dollar. Hintergrund ist wohl vor allem, dass sich Verbraucher bei Kartenzahlungen als „gläserner Kunde“ fühlen, denn alle Zahlungen sind nachvollziehbar. So können Kreditkartenunternehmen das Wissen über Einkaufs- und Konsumverhalten auch nutzen, um Werbung individuelle zu schalten und den Einzelnen auf besondere Angebote in den jeweiligen Bereichen aufmerksam zu machen.

Der erste Weg zur Bargeldlosigkeit

Wie VISA betont, soll diese Maßnahme eingesetzt werden, um den Bargeldgebrauch deutlich zurückzuführen. Es ist damit wohl der erste Weg in eine bargeldlose Zukunft. Diese wird auch bereits in Deutschland diskutiert, wo Verantwortliche die zur Verfügung stehende Bargeldmenge begrenzen wollen. Und genau auf diese bargeldlose Zukunft setzt das Kreditkartenunternehmen. Schließlich sollen Kunden in erster Linie mit Kredit- und Debitkarten bzw. den Apps auf Ihren Smartphones bezahlen, denn nur hiermit verdient das Unternehmen Geld. Die Zahlung an Restaurants und die Zurückdrängung des Bargelds sind damit keine uneigennützigen Aktionen, sie sollen das Geschäftsfeld für Kreditkartenzahlungen erweitern und den Gewinn von VISA erhöhen. Nicht umsonst wird Bargeld als einer der größten Wettbewerber für Kreditkartenunternehmen gesehen.

Mastercard unterstützt die Pläne von VISA

Auch das Konkurrenzunternehmen Mastercard möchte den Bargeldeinsatz weitgehend zurückdrängen und sieht beispielsweise die Bargeldreform in Indien als einen ersten wichtigen Schritt in diese Richtung. Eigentlich sollten in Indien vor allem Schwarzarbeit und Korruption bekämpft werden, als über Nacht die zwei wichtigsten Scheine (500 Rupien und 1.000 Rupien) für ungültig erklärt wurden. Es handelte sich dabei um die am häufigsten im Umlauf befindlichen Banknoten und betraf damit gut 86 Prozent des gesamten Bargeldumlaufs. Leider mündete die Aktion, da sie unangekündigt war, in Chaos. Dennoch lobt Mastercard diese Aktion als einen wichtigen Schritt in die „bargeldlose und digitale Wirtschaft“. Einige Experten gehen ohnehin davon aus, dass die USA einen großen Anteil an der Reform in Indien haben und diese womöglich sogar unterstützten.

Bargeldeinschränkungen auch in vielen anderen Ländern

Die Einschränkungen zum Gebrauch von Bargeld nehmen seit einigen Jahren in der gesamten Welt merklich zu. Auch in Deutschland müssen Bargeldzahlungen ab einer Summe von 15.000 Euro von den Banken und Sparkassen zwecks Geldwäsche dokumentiert werden. Lediglich unbare Zahlungen sind davon nicht betroffen, schließlich ist es ohne Probleme möglich, deren Herkunft zu bestimmen. Daher nennen Regierungen die Bekämpfung von Schwarzarbeit, Geldwäsche und Korruption als wichtigsten Grund für die Einführung von Bargeldverboten. Doch die Begrenzung von Bargeld könnte auch dafür sorgen, die Digitalisierung des Geldes weiter voranzubringen. So könnten alle Bargeldströme leichter erfasst und dokumentiert werden. Dies bringt nicht nur Kreditkartenunternehmen und Banken Vorteile. Auch die Staaten hätten so die Möglichkeit, ihre Bürger besser zu kontrollieren und ggf. Steuern und Abgaben einfach einzuziehen.

Die weitere Entwicklung in Deutschland

Aktuell gibt es in Deutschland noch keine Begrenzungen, wie viel Bargeld ein Einzelner zur Bezahlung seiner Rechnungen nutzen kann. Die EU-Kommission berät jedoch über eine Forderung, den Bargeldeinsatz auf 5.000 Euro zu begrenzen. Rechnungen darüber sollen nur noch digital bezahlt werden können. Diese Aktion stößt jedoch auf erheblichen Widerstand in der Gesellschaft, denn die Menschen sehen hierdurch ihre Freiheit eingeschränkt. Aktuell ist lediglich die Abschaffung des 500-Euro-Scheines beschlossen. Er soll ab Ende 2018 nicht mehr ausgegeben werden, sodass sich die im Umlauf befindliche Menge der Scheine nach und nach reduziert. Ob weitere Maßnahmen beschlossen werden, ist wohl abhängig von den Entscheidungen der Politiker und den Wünschen der Menschen vor Ort. Eine Kreditkarte ist in jedem Fall sinnvoll, da sie nicht nur im Ausland, sondern auch bei Zahlungen im Internet finanzielle Freiheit ermöglicht.

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